Die Jenaer Sternwarte im Schillergäßchen (aufgenommen 2013)

Ein Spaziergang durch die Jenaer Astronomiegeschichte

In 30 Minuten durch 400 Jahre Astronomiegeschichte
Die Jenaer Sternwarte im Schillergäßchen (aufgenommen 2013)
Foto: Jan-Peter Kasper (Universität Jena)

Unser Spaziergang durch die Astronomiegeschichte startet am heutigen Universitätshauptgebäude, dem Standort des ehemaligen Stadtschlosses. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Räume in den oberen Stockwerken der Jenaer Astronomie zur Verfügung gestellt und das Dach des Schlosses als Beobachtungsstation genutzt. Bereits ein Jahrhundert früher wurde auf dem Dach des Schlosses ein begehbarer Himmelsglobus von Erhard Weigel (1625-1699) angebracht. Dieser maß fünfeinhalb Meter im Durchmesser und kann zurecht als Vorform des Planetariums gesehen werden. Aufgrund der Befürchtung, das Dach könnte einstürzen, wurde der Globus dreißig Jahre später entfernt.

Vom Uni-Hauptgebäude gehen wir über Saalstraße und Kirchplatz in Richtung Eichplatz. Rechter Hand sieht man die Stadtkirche. An einem ihrer Südpfeiler befinden sich mittelalterliche Zeugnisse der Jenaer Astronomie: Sonnenuhren wurden noch vor 1442 hier angebracht.

Wir gehen weiter und richten unseren Blick am oberen Ende des Kirchplatzes nach rechts. Man blickt auf die heutige Weigelstraße. Erhard Weigels mit Kuriositäten gespicktes Wohnhaus, eines der sieben Wunder Jenas, befand sich dort, bis es dem Durchbruch zum Fürstengraben 1898 weichen musste. Seine heraldischen Himmelsgloben verbreitet Weigel über ein weitgespanntes Netzwerk. Die Einführung des gregorianischen Kalenders in protestantisch regierten Ländern ging maßgeblich auf Weigels Vorschläge zurück.

Von hier aus begeben wir uns quer über den Eichplatz hin zum Collegium Jenense. Am Gründungsort der Universität (1548/48) hat auch die astronomische Forschung und Lehre ihren Ursprung. Im Torgebäude wurde das erste verortbare Observatorium (1656) in Jena eingerichtet und später durch einen hölzernen Beobachtungsturm ergänzt. Ein astronomisches Praktikum wurde schon zuvor von Heinrich Hofmann (1567-1652) durchgeführt.

Folgen wir der Kollegiengasse und queren den Leutragraben kommen wir zum Ernst-Abbe-Platz und dem heutigen Stadtzentrum Jenas. Früher war hier das Hauptwerk der Firma Zeiss. Man sieht immer noch ein Observaotrium auf dem Gebäude am südlichen Ende des Platzes. Die industrielle Fertigung von astronomischen Geräten in Jena wurde von Ernst Abbe (1840-1905) Ende des 19. Jahrhunderts angestoßen. Das Projektsplanetarium wurde hier entwickelt, auf einem der Dächer des Hauptwerks getestet und der Öffentlichkeit vorgeführt.

Vom ehemaligen Zeiss-Hauptwerk begeben wir uns zurück auf den Leutragraben und folgen ihm Richtung Süden. Über die Verlängerung der Schillerstraße kommen wir schließlich ins Schillergäßchen. Hier findet man heute noch das astrophysikalische Institut und die Universitäts-Sternwarte. Zur Gründung der "Herzoglichen Sternwarte zu Jena" Anfang des 19. Jahrhunderts wurde an das Schillersche Gartenhaus ein Observatorium angebaut. Ernst Abbe, von 1878-1900 Direktror der Sternwarte, ließ 1889 ein achteckiges Gebäude mit zwei Meridianzimmern errichten. Durch weitere Umbauten erhielt das Observatorium schließlich sein heutiges Erscheinungsbild. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wandte man sich in Jena immer mehr der astrophysikalischen Forschung zu.

Jenaer Astronomen blicken natürlich noch immer in den Himmel, aber der Blick richtet sich auch zurück auf die Erde: Simulationsexperimente, Isotopenablagerungen und auch historische Quellen, natürlich unter modernen Fragestellungen betrachtet, gehören mit zum Profil der Jenaer Astronomie.