Blick vom Phyletischen Museum auf das Hellfeldsche Haus und die Neugasse (aufgenommen 2021)

Das Hellfeldsche Haus

Neugasse 23; erbaut um 1600
Blick vom Phyletischen Museum auf das Hellfeldsche Haus und die Neugasse (aufgenommen 2021)
Foto: Anne Günther (Universität Jena)

Das Hellfeldsche Haus wurde aufgrund der Arbeiten von Wolfgang Döbereiner (1780-1849), u.a. zur katalytischen Wirkung des Platin, 2016 als historische Stätte der Chemie ausgezeichnet. Das Haus beheimatete danach die Physik und Mathematik und entwickelte besondere physikhistorische Relevanz: Ernst Abbe formulierte bedeutende Teile seiner Mikroskoptheorie hier.

Nach Döbereiners Tod wurde das Hellfeldsche Haus unter Karl Snell (1806-1886) zentraler Ort für die physikalische Forschung und Lehre in der Saalestadt. Zu seinen Schülern und späteren Mitarbeitern zählte neben Hermann Schaeffer auch Ernst Abbe (ab 1870 außerordentlicher und ab 1878 ordentlicher Professor).

Früh kam Abbe mit dem Hof- und Universitätsmechaniker Carl Zeiss in Kontakt, zunächst um den Bestand an physikalischen Apparaten aufzustocken. Zeiss, seit 1846 in Jena, hatte den wissenschaftlichen Instrumentenbau schon für sich als Markt entdeckt und positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern gesammelt.

Ab 1866 stieg Abbe als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Zeiss ein, regte arbeitsteilige Fertigungsverfahren an und lieferte Entwürfe für wissenschaftliche Apparate. Der eigentliche Durchbruch des Unternehmens gelang allerdings mit der wissenschaftlichen Fundierung des Instrumentenbaus. Von Ende der 1860er bis in die frühen 1870er hinein arbeitete Abbe eine Mikroskoptheorie aus. Nachdem Abbe seit 1871 mit Elise Snell, Karl Snells Tochter, verheiratet war und zu seinem Schwiegervater ins Hellfeldsche Haus zog, kann man davon ausgehen, dass bedeutende Teile dieses Werks hier formuliert wurden.

Die auf Abbes Entwürfen und Theorie basierenden Mikroskope waren in Präzision und Auflösungsvermögen zunächst konkurenzlos und legten den Grundstein für das Weltunternehmen Carl Zeiss. Abbes Beteiligung am Werk nahm immer weiter zu, bis er 1888, nach Carl Zeiss' Tod, schließlich Leiter der optischen Werke wurde. Weiterhin förderte Abbe die Wissenschaften in Jena: im Vergleich zu Konkurrenzunternehmen warb er überdurchschnittlich viele Wissenschaftler an und initiierte den "Ministerialfonds für wissenschaftliche Zwecke", Vorläufer der Carl-Zeiss-Stiftung, mit dem er zu einem der wichtigsten finanziellen Unterstützer der Universität wurde.

In den Kollektionen der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek finden Sie ein historisches Foto des Hellfeldschen Hauses (Bestand Stadtmuseum; links im Bild ist auch das ehemalige anliegende Laboratorium zu erkennen).