Exzellenz entsteht durch Verbindung

Ein Interview mit Prof. Andreas Tünnermann über die Chancen der Universität im Exzellenzstatus

Prof. Andreas Tünnermann im Gespräch.

Foto: Fraunhofer IOF
Prof. Andreas Tünnermann im Gespräch. Wasserzeichen —
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Meldung vom: | Verfasser/in: I. Winkler

Jena ist Exzellenzuniversität. Die Entscheidung vom 2. Oktober 2026 würdigt die Entwicklung der Friedrich-Schiller-Universität und eröffnet neue Möglichkeiten, ihre Spitzenforschung weiterzuentwickeln. Grundlage der Bewerbung waren die beiden Exzellenzcluster »Balance of the Microverse« und »Imaginamics«. Mit dem Antrag »Light. Life. Liberty. – Connecting People and Ideas« setzte die Universität gezielt auf Vernetzung über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg.

Was bedeutet dieser Erfolg für den Forschungsalltag? Wie kann der neue Status die Zusammenarbeit zwischen Universität und außeruniversitären Einrichtungen stärken – und was sollen Studierende, Forschende und Alumni davon spüren? Darüber sprechen wir mit Prof. Dr. Andreas Tünnermann, Direktor des Instituts für Angewandte Physik und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF.

Herr Tünnermann, was bedeutet dieser Titel für Sie persönlich – und für das Institut für Angewandte Physik? Was war aus Ihrer Sicht entscheidend dafür, dass Jena den Status als Exzellenzuniversität erreicht hat?

Ich bin sehr stolz und freue mich für die gesamte Universität! Diese Auszeichnung bringt auch eine deutlich gesteigerte nationale und internationale Sichtbarkeit mit sich. Sie hilft uns, die besten Köpfe für spannende Forschungsprojekte zu gewinnen. Jena wird zukünftig noch stärker als zentraler Forschungsstandort wahrgenommen, was uns im internationalen Wettbewerb klar stärkt.

Jenas Antrag betont, dass wissenschaftliche Exzellenz durch Vernetzung entsteht. Wo sehen Sie hierfür besonders überzeugende Beispiele – etwa zwischen Universität, Fraunhofer IOF und anderen Forschungseinrichtungen?

Der Erfolg beruht stark auf der Teamleistung der gesamten Universität. Besonders beeindruckt hat die Jury unsere Zusammenarbeit über Fakultätsgrenzen hinaus. Dank der Orchestrierung durch den Präsidenten Andreas Marx konnten wir zeigen, was wir in Jena bewegen.

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind durch strategische Kooperationen eng eingebunden, die weit über typische Projektzusammenarbeit hinausgehen. Die Unterstützung durch die Landesregierung war ebenfalls entscheidend, was etwa die engagierte Rede unseres Ministerpräsidenten Mario Voigt bei der Jury-Begrüßung unterstrich.

Die Zusammenarbeit zeigt sich auch im täglichen Leben: Exzellente Forschende aus verschiedenen Einrichtungen arbeiten beispielsweise in den Quantentechnologien zusammen und verfolgen dabei unterschiedliche Anwendungsszenarien. Namentlich möchte ich Falk Eilenberger (IOF), Fabian Steinlechner und Frank Setzpfandt (beide IAP) Stefanie Gräfe (Physikalische Chemie) und Martin Gärttner (Theoretische Physik) hervorheben. Die sichtbaren Erfolge im Quantencomputing und der Quantenkommunikation führten bereits zur Ausgründung Quantum Optics Jena GmbH, die mithilfe von Quantenverschlüsselung sichere Authentifizierungsprozesse ermöglicht und so die Sicherheit digitaler Kommunikation auf ein neues Niveau hebt.

Was kann die Universität durch den Exzellenzstatus besser ermöglichen, das bisher schwieriger war?

Unsere Anstrengungen zielen seit Jahren auf mehr Sichtbarkeit innerhalb der Forschungs-Community. Wir haben viele anerkannte Auszeichnungen erhalten und waren beispielsweise mehrfach erfolgreich bei der Einwerbung von ERC-Grants auf europäischer Ebene. Diese Erfolge wurden jedoch bisher eher als Einzelleistungen wahrgenommen. Nun haben wir offiziell die Bestätigung für unsere herausragende Gesamtleistung.

Wie lässt sich Spitzenforschung stärken, ohne wichtige Aufgaben wie gute Lehre und verlässliche Arbeitsbedingungen aus dem Blick zu verlieren?

Genau darauf zielt unser Exzellenzantrag ab: Wir wollen die Rahmenbedingungen für Personalentwicklung, Wissenstransfer und Forschung verbessern, indem wir Strukturen und Prozesse nicht nur in der Ausbildung und Forschung selbst gezielt stärken und weiterentwickeln.

Was sollen Studierende und Nachwuchsforschende konkret vom neuen Status merken? Welche Chancen ergeben sich für Jena und Thüringen?

Die Universität wird sich nach innen so aufstellen, dass Studierende und Mitarbeitende auf agilere und unterstützende Strukturen treffen, die die Gemeinschaft stärken. Zufriedene Menschen sind die besten Botschafter:innen nach außen und erhöhen die Attraktivität unserer Alma Mater.

Woran werden Sie in einigen Jahren erkennen, dass die Auszeichnung tatsächlich Wirkung zeigt?

Wir werden breiter in der Exzellenzförderung und Bildungsqualität aufgestellt sein – sichtbar an stabilen Studierendenzahlen, denn nur so ist eine Universität zukunftsfähig. Und natürlich wollen wir im nächsten Evaluationsprozess unsere hohe Qualität erneut unter Beweis stellen.