Dr. Alfred Reichmann

Nachruf auf Dr. Alfred Reichmann

Der langjährige Leiter des F-Praktikums, Dr. Alfred Reichmann ist am 16.12.2020 verstorben.
Dr. Alfred Reichmann
Foto: Christine Zöllner

Meldung vom: 12. Januar 2021, 10:07 Uhr

Nachruf Dr. Alfred Reichmann (1941–2020)

Vor wenigen Tagen erhielten wir die traurige Nachricht, dass unser langjähriger Kollege Alfred Reichmann im Alter von 79 Jahren, kurz vor seinem 80. Geburtstag, nach schwerer Krankheit verstorben ist.
Nach seinem Physikstudium an unserer Universität promovierte Alfred Reichmann 1974 im Wissenschaftsbereich Detektorenphysik (heute: Institut für Festkörperphysik) zum Thema „Untersuchungen an n-leitenden Galliumarsenid-Kristallen im Spektralbereich 0,7 μm bis 40 μm“.

Er entwickelte supraleitende Bolometer höchster Nachweisempfindlichkeit. Durch raffinierte thermische Stabilisierung des Arbeitspunktes einer mäandrierten Schicht an der Grenze von Supraleitung zur Normalleitung wurde die theoretische Grenze der Detektivität nahezu erreicht: sie entsprach der Sichtbarkeit einer 100 W- Glühlampe in 500 km Entfernung. Das war ein internationaler Spitzenwert.
Im neu gegründeten Technikum Optik übernahm Dr. Reichmann 1987 die Arbeitsgruppe „Charakterisierung infrarotoptischer Materialien“ und wechselte in den Wissenschaftsbereich Kohärenzoptik, das heutige Institut für Angewandte Optik und Biophysik.
Alfred Reichmann war ein exzellenter Experimentalphysiker, der auf vielen Gebieten der Physik (Detektorenphysik, Elektronik, Supraleitung, Vakuumtechnik, Optik, Spektroskopie, Lasertechnik) ein sofort anwendungsbereites Wissen und Know-how besaß. Maßstab für fachliches Können war für ihn immer die Umsetzung von Laborergebnissen in anwendungsbereite Lösungen, das Schreiben von Veröffentlichungen hatte für ihn keine Priorität.

Seine Forschungsergebnisse fanden sich wieder in technischer Ausrüstung zur Messung der Brechzahlhomogenität von Gläsern für den infraroten Spektralbereich für Schott Jena, in Detektoren zur Betriebskontrolle von Gasfackeln in Leuna, in der Untersuchung der Schadstoffbelastung der Umwelt durch thermische Kontrolle von Bienenlarven, in Messungen der absoluten Brechzahlen von verschiedenen Materialien im Temperaturbereich bis 77 K für den Einsatz in Optiken für Satelliten und auch in Geräten zur Messung von Farbstoffeigenschaften für das Leuchtstoffwerk Breitungen - um nur einige Beispiele zu nennen.
Dr. Reichmann war kein Freund von ewigen Diskussionen darüber, ob etwas geht oder nicht. Sein Motto war: nicht reden, sondern machen! Und das tat er am liebsten selbst, ob mit dem Lötkolben oder bei der Durchführung von Messreihen. Er war ständiger Gast in den Werkstätten und stand, wenn es sein musste, auch selbst an der Drehbank. Mit seinem Arbeitsstil war er ein Vorbild für Studierende und Mitarbeiter.

In der Lehre der Fakultät war Dr. Reichmann als Leiter des Fortgeschrittenen-Praktikums eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte die Erinnerung der Absolventen an die Fakultät entscheidend mitgeprägt hat. Das Praktikum entwickelte er zu einer Einrichtung, die deutschlandweit Maßstäbe setzt. Von der Qualität überzeugt, schickte ein Professor aus Würzburg über mehrere Jahre seine besten Studierenden in der Semesterpause nach Jena zu Dr. Reichmann in unser F-Praktikum.
Auch 15 Jahre nach seinem Eintritt in den Ruhestand 2006 sind von ihm konzipierte Versuche und didaktische Ideen im F-Praktikum weiterhin präsent.

Wir werden Dr. Alfred Reichmann als einen geschätzten Kollegen und guten Freund in dankbarer Erinnerung behalten.


Seine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen

Diese Seite teilen
Die Uni Jena in den sozialen Medien:
Ausgezeichnet studieren:
  • Logo der Initiative "Total E-Quality"
  • Logo des Best Practice-Club "Familie in der Hochschule"
  • Logo des Projekts "Partnerhochschule des Spitzensports"
  • Qualitätssiegel der Stiftung Akkreditierungsrat - System akkreditiert
Zurück zum Seitenanfang