Prof. Dr. Wolfgang Richter

Prof. Dr. Wolfgang Richter verstorben

Ehemaliger Dekan, Studiendekan, herausragender Forscher und Hochschullehrer im Alter von 76 Jahren verstorben.
Prof. Dr. Wolfgang Richter
Foto: Jan Nathanael

Meldung vom: 12. März 2019, 09:15 Uhr

Prof. Dr. Wolfgang Richter Foto: Jan Nathanael

Nachruf

Prof. Dr. rer. nat. habil. Wolfgang Richter

*13.12.1942 Zeitz       05.02.2019 Weimar

Wir trauern um unseren Freund und Kollegen Prof. Dr. Wolfgang Richter, der am 5. Februar 2019 nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Nach seinem Abitur in Weimar begann Wolfgang Richter sein Physikstudium an der TU Dresden, das er 1968 mit einer Diplomarbeit „Erprobung eines Energiespektrometers für Elektronen“ abschloss. Von 1968 bis 1971 war er Promotionsstudent an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und schloss 1972 an der Sektion Physik seine Dissertationsarbeit zum Thema „Messungen an aufgedampften supraleitenden Quanteninterferometern“ erfolgreich ab. Nach einem viermonatigen Gastaufenthalt am Institut für Physikalische Probleme Moskau war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Physik mit den Arbeitsgebieten Sensorik und Supraleitungs-Messtechnik. 1974 erhielt er als jüngstes Mitglied des Forschungskollektivs „Mikrokryoelektronik“ unter Leitung von Prof. Dr. Günter Albrecht den Nationalpreis III. Klasse für Wissenschaft und Technik. 1975 wurde er Wissenschaftlicher Oberassistent  und schloss 1981 seine Promotion zum Dr. sc. nat. „Supraleitende Quanteninterferometer zur Messung schwacher magnetischer Felder“ sowie die „Facultas docendi“ für Experimentelle Physik ab. 1986 wechselte er von der Entwicklung und Anwendung supraleitender Quanteninterferometer (SQUIDs) in ein Projekt zur Entwicklung optischer Schichtsysteme als Spiegel für CO2-Hochleistungslaser.

1989 bekam er eine Außerordentliche Dozentur für Angewandte Physik und wurde 1992 Professor für Experimentalphysik/Physik dünner Schichten am Institut für Festkörperphysik der Universität Jena. Im EU-Verbundprojekt „EUROLASER – High Power Laser“ knüpfte er an seine bisherigen Arbeiten an. Seine Arbeiten auf dem Gebiet optischer Schichten wurden systematisch ausgebaut, wobei Molekularstrahlepitaxie und Oberflächenanalyse von Halbleitern sowie die Halbleiter-Optoelektronik hervorzuheben sind. Dazu leitete er eine Vielzahl von Projekten verschiedener Drittmittelgeber von der DFG bis zur EU. 1993 bis 2001 war er im SFB 196 „Physik und Chemie optischer Schichten“ Teilprojektleiter zu den Themen „Molekularstrahlabscheidung von SiC-Polytypen“ und „Epitaxie und Analyse niedrigdimensionaler Strukturen aus Gruppe IV-Halbleitern“. Er leistete bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet des Polytypismus von Silziumkarbid. Mittels Molekularstrahlepitaxie gelang es seiner Gruppe, hexagonale und kubische SiC-Schichten aufeinander abzuscheiden, und erstmals heterokristalline Quantengrabenstrukturen zu erzeugen. Letztere führten zu einem Patent "Silizium-Feldeffekttransistor". 1994 bis 1999 war er im Innovationskolleg INK6 „Glaskeramik mit neuen Eigenschaften“ Teilprojektleiter zum Thema „Untersuchungen zur Keimbildung und Kristallisation mit Hilfe oberflächenanalytischer Verfahren“. Seine Arbeiten führten zu zahlreichen Publikationen, Patenten und Vorträgen, die ihn weit über Jena hinaus bekannt machten.

2003 gründete er die Firma BATOP GmbH, die als Spin-off die Vermarktung der optischen Schichtsysteme vorantrieb und heute international bekannter Lieferant für spezielle Bauelemente für Kurzpulslaser sowie von THz-Messtechnik ist. Nach seiner Pensionierung 2008 übernahm er die Leitung, die er 2012 an seinen Sohn Andreas weitergab.

In der Lehre war Prof. Richter eine herausragende Persönlichkeit. Hervorzuheben sind seine Experimentalphysik-Vorlesungen sowohl für Physiker als auch insbesondere für Mediziner, Pharmazeuten und Biochemiker. Er verstand es, die Studierenden auch im Nebenfach für Physik zu begeistern!

Auch in der akademischen Selbstverwaltung leistete er vorbildliche Arbeit. So war er 1992-1993 geschäftsführender Direktor des Institutes für Festkörperphysik, das er 1991 mit aus der Taufe gehoben hatte. In seiner Zeit als Dekan (1994 -1996) und Studiendekan (2003-2006) hat er die Fakultät geprägt und auf ein Spitzenniveau gebracht. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für die Modularisierung der Studiengänge, die Umstellung auf das Bachelor/Master-System sowie die Akkreditierung. Als Dekan hat er sich insbesondere für die Unterstützung von Ausgründungen aus der Fakultät stark gemacht. Seine Mitarbeiter*innen gründeten durch ihn motiviert erfolgreiche Unternehmen wie beispielsweise VACOM und Layertec.

Er war Initiator und Gründungsmitglied des 2004 gegründeten Alumni-Vereins der Physikalisch-Astronomischen Fakultät und engagierte sich stets für Belange der Studierenden wie auch der Absolventen.

Wir verlieren mit Prof. Dr. Wolfgang Richter eine anerkannte Forscherpersönlichkeit, einen geschätzten Lehrer sowie lieben Kollegen und Mitarbeiter.

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