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Heißes Eisen im Schmiedefeuer


Heißes Eisen im Schmiedefeuer

Juliane Dölitzsch Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Studierende der Werkstoffwissenschaften von der Universität Jena schmieden ihr eigenes Schwert

    "Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist." - So alt das Sprichwort sein mag, so jung ist die praktische Erkenntnis für eine Gruppe engagierter Studierender der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In einem Workshop beschäftigen sie sich mit allen Facetten der Schmiedekunst und garantieren von der Planung über den Schmiedeprozess bis hin zur Vermarktung schnittige Ergebnisse. Denn: "Wir schmieden ein Schwert", erklärt Masterstudent Maximilian Keller.

    Der 24-jährige Werkstoffwissenschaftler hat den anwendungsorientierten Workshop gemeinsam mit der Bachelorstudentin Michéle Scholl konzipiert. Auf die Idee hatte die beiden die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde gebracht - schnell waren ihnen die Begeisterung und Zustimmung vom Institutsrat des Otto-Schott-Instituts für Materialforschung (OSIM) der Uni Jena, ein solches Projekt außerhalb des Stundenplans zu veranstalten, sicher und 15 enthusiastische Freiwillige gefunden. "Schon seit vergangenem November läuft der Schmiede-Workshop, bei dem wir uns zunächst durch eine dafür organisierte Vortragsreihe einen gemeinsamen Wissensstand erarbeitet haben", berichtet Keller. Durch Diskussionen mit Professoren und die unterschiedlichen Erfahrungen sei es schon in der Theorie zu spannenden Diskussionen gekommen: "Die Erstsemester sind voller verrückter Ideen, auf die Masterstudenten oft gar nicht kommen. Aus der Kombination unvoreingenommener Kreativität und des fortgeschrittenen Wissens, was realisierbar oder doch unmöglich ist, entstehen tolle Wechselwirkungen."

    Ein Gefühl fürs Material entwickeln

    Im ausgehenden Wintersemester haben die Workshop-Teilnehmer, darunter fünf Studentinnen und zehn Studenten, in der Werkstatt des OSIM in einem Schmiedefeuer Stahl bearbeitet, "um ein Gefühl für das Material zu entwickeln." Dieses war wichtig für das Haupt-Event des auf ein Jahr angelegten Projekts: das Schmieden und die materialwissenschaftliche Charakterisierung des Schwertes. Im Mai haben sie sich dafür im thüringischen Mellenbach-Glasbach getroffen und ein Wochenende darauf verwendet, zwei Schwerter zu schmieden - eines als Prüfschwert für die zerstörenden und zerstörungsfreien Charakterisierungsmethoden und eines als Ausstellungsstück zur Studienwerbung. "Unendlich viel Schweiß, Blut, Tränen und Arbeit stecken darin", sagt Maximilian Keller augenzwinkernd. Dabei hätten sie alle Schritte selbst erledigt: stundenlanges Schmieden, Schleifen, Glätten, Polieren, Ausrichten. Nur beim Härten hätten sie sich Hilfe geholt: "Wenn das Schwert nach all der Arbeit springt, wäre die Motivation sonst am Boden", weiß Maximilian Keller. Und von dieser lebt das Projekt schließlich.

    Eine gedeihliche Zusammenarbeit war dank der verschiedenen Interessen aller Beteiligten von Beginn an sichergestellt. "Zum Team gehören ein Hobbyschmied, Experten für Schwertschaukampf und natürlich auch solche, die sich für Marketing, Sponsoring oder die didaktische Aufbereitung des Workshops interessieren." Das ist Keller, der sich im Fachschaftsrat engagiert und Hilfskraft an der Physikalisch-Astronomischen Fakultät ist, wichtig, denn das Schwert soll auch im Licht der Öffentlichkeit erstrahlen. "Zu wenige Schüler kennen unseren Studiengang und überhaupt haben viele keine klare Vorstellung davon, was Werkstoffwissenschaftler machen. Das will ich ändern", erklärt der Student.

    Aufmerksamkeit schaffen am Hochschulinformationstag

    Die Teilnahme am Hochschulinformationstag der Uni Jena am 26. Mai und am MINT-Festival vom 11. bis 13. September versteht sich darum von selbst. Den Abschluss soll im November eine öffentlichkeitswirksame Dankveranstaltung für alle Unterstützer und Sponsoren bilden. "Neben der Verbindung von Theorie und Praxis ist der Schmiede-Workshop eine tolle Gelegenheit, sich mit der Industrie zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen", betont Keller. Denn egal in welchem Semester: Schon im Studium gilt es, die richtigen Weichen zu legen, denn jeder ist seines Glückes - oder Schwertes - Schmied.

    Kontakt:
    Maximilian Keller
    Physikalisch-Astronomische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Max-Wien-Platz 1, 07743 Jena

    E-Mail: maximilian.keller[at]uni-jena.de 


    Quelle: https://idw-online.de/de/news696165

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